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Das Phänomen Rosa Luxemburg

von Viktoria Lindner 27 April 2009 0 Kommentare
Das Phänomen Rosa Luxemburg

davidbaltzer/bildbuehne.de

Hin- und hergerissen zwischen politischem Erfolg und ihrer großen Liebe Leo, bewegt sich Rosa Luxemburg als fühle sie sich sichtlich unwohl in Berlin. Sie als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der sozialistischen Internationale des 20. Jahrhunderts, scheint im Bann der Gefühle ihr Ziel vor Augen verloren zu haben.

Zum 90.Todestag Rosa Luxemburgs schreiben Volker Ludwig und Franziska Steiof (auch Regie) das zeitkritische Theaterstück “Rosa”.
Die Dramatisierung des Lebens und Wirkens von Rosa Luxemburg ist beiden schon seit Jahren ein Herzenswunsch, der durch die Uraufführung Ende 2008 spielerisch auf die Bühne des GRIPS Theaters Berlin gebracht wurde.

Die schon seit dem Kindesalter gehbehinderte Rosa besaß eine beachtliche Fähigkeit die Massen für ihre Sache zu mobilisieren. Gegen Krieg und für eine Revolution überzeugte sie mit der gleichen Kraft die Arbeiterpartei SPD. Zuerst durch Gefängnisaufenthalte gebändigt und letztlich 1919 durch die Freikorps ermordet, bleibt Rosa Luxemburg in Verbindung mit Karl Liebknecht allen ein Begriff.

Die Grundidee des Stücks jeden Abschnitt ihres Lebens darzustellen führt zur Konsequenz, dass die wichtigen Szenen zu kurz, die unwichtigen hingegen zu ausführlich geraten. Menschliche Aspekte stehen zu politischen Aspekten im Vordergrund, sodass es in eine „Rosa-Leo-Soap“ ausartet. Die rund dreieinhalbstündige, doch sehr langatmige Spieldauer wirkt spannungsraubend und führt zu Konzentrationsschwierigkeiten. Schauspielerisch eine beachtliche Leistung von Regine Seidler, wirken dennoch die Doppelbesetzungen der einzelnen Charaktere konfus für den Zuschauer.
Die Gefühle der Hauptdarstellerin werden vom Komponisten
(Thomas Zaufke) durch Songs mit Volksliedcharakter zum Ausdruck gebracht. „Blaue Flecken auf der Seele“ führt als roter Liedfaden durch das gesamte Stück, wobei sich die Lieder im allgemeinen Rosas Emotionen als Konzentrationspunkt nehmen.

Regisseurin Steiof vermeidet jegliche modernistische Zusätze in Sprache und Kostümierung
Durch geschickte Verbindungen von Zitaten, Parolen und eigenentworfenen Monologen bleibt der Wiedererkennungswert mit Zusätzen ihres Charakters erhalten.
Inszeniert ohne aufwendige Effekte erzeugt das variable Bühnenbild (Jan Schröder) trotz allem die nötige Räumlichkeit, um den Zuschauer den momentanen Spielort näher zu bringen.
Ob allerdings die Geschichte Rosas ohne jegliche geschichtliche Vorkenntnisse für jedermann verständlich ist, bleibt ungewiss.

Das Konzept des GRIPS Theaters, seine linke Position wiedereinmal zu unterstreichen ist durch dieses Stück im vollen Maße gelungen. Das durchaus positive Feedback des Publikums lässt auch mich diesen Abend als allgemein gelungen in Gedanken behalten.