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Zwischen Pinsel und Pastell

von Sophie Schwintoswki 19 Juli 2009 3 Kommentare

Lässig wirft sie ihre langen blonden Haare zurück und zeigt mit einem verschmitzten Lächeln ihre weißen Zähne. „Nice to meet you. Come in and sit down.“ Ein freundlicher Blick und eine einladende Geste. Man kommt dieser Bitte nach und begibt sich in ein modernes Ateliers. Bilder aus Pastellfarben, aus Öl, bunte Motive, Striche, Kleckse, hell und dunkel. Kontraste gehen einher. Stilsicher. Die Atmosphäre, einladend. Modern und chic. Ebenso wie diese junge Frau in ihren kurzen Hotpants und der lässigen gestreiften Bluse. Ihre Augen leuchten in einem hellen Grünton und erzählen von sich aus eine Geschichte über fernöstliche Kulturen, bildende Kunst und eine andere Welt.
Die Welt der Dodo Newman. Eine Künstlerin aus fernen Ländern, niedergelassen in dieser Fabrikhalle im abgeschotteten Kiez Berlin Oberschöneweide.

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Ein Portrait dieser jungen tiefgründigen Persönlichkeit, ihrer spirituellen Auslebung und der Substanzen, die ihre Kunst so besonders werden lassen.

Das Geheimrezept für diese bunten Werke, die Dodo Newman Ansehen und Spaß einbringen, sind Energie und Power. Hauptakteure  ihres Schaffens. So auch die Offenheit, die sie ausstrahlt. „Es ist wichtig unvoreingenommen und frei zu sein, tagtäglich begegnen mir unterschiedliche Menschen. Ich arbeite mit ihnen. Und oft schließe ich sie schnell in mein Herz, denn die meisten bringen mir Energie und Lebensfreude, die mich aufbaut und stärkt.“ Diese zeigen sich deutlich in ihren Bildern. Bunte Farben, bunte Motive, Lebenslust und Freude. Selten stechen dunkle Farbenspiele ins Auge. Wenn, liegt dies an negativen Empfindungen, die sie zu verarbeiten sucht.
Woher die bunte Farbgebung kommt sei damit geklärt. Doch sind die Inspirationsquellen, oftmals Komplexe unverständlicher Gedankenverbindungen eines Künstlers, ausschlaggebend und wegweisend. Bei Dodo Newman bewegen sich diese zwischen Einfachheit und Vielfalt. Eindrücke auf der Reise ihres Lebens, welches immer mit verschiedenen Kulturen gefüllt und von dieser geprägt wurde. „Es ist ein Mix aus dieser in mir, das Ideen weckt.“ Diese Prägung durch die fernöstlichen und europäischen Kulturen war und ist der Baustein ihres facettenreichen Lebens. Zwischen Indien, Ungarn, Italien und unterschiedlichen Arbeiten ging sie auf. Traditionen, religiöse Gesellschaften und Normen nahm sie als Wegweiser für ihre Inspiration auf.

Füllend sind vor allem diese speziellen Gefühle und eine so freie lebensfrohe Einstellung, die keine Berechnung, sondern vielmehr Meilensteine ihrer Entwicklung sind.
Zwei Erfahrungen, die die junge Frau prägten, sind solche. Auf ihrer Lebensreise hatte Dodo eine stetige Begleiterin, ihr indisches Kindermädchen. Lebte sie eine Zeitlang mit ihrem Vater allein in diesem fernen Land, war ihr Kindermädchen wie eine Mutter für sie. Eine Bezugsperson, die ihr einmal eine andere Welt zeigte. Sie nahm das damals noch junge unwissende Mädchen auf eine Reise in ihr Dorf mit. Dort traf Dodo auf arme Familien, einfache Häuser, viele Menschen auf engem Raum. Doch was sie überraschte, war diese Zufriedenheit und das Glück des Seins. Diese Erfahrung nahm sie mit und trägt sie bis heute.
Auch ihr sensibles Gespür für Gleichberechtigung und Fairness rührt einher mit diesen speziellen Erfahrungen. In Ungarn nahm Dodo an einem Wettbewerb teil, der Gewinner sollte seine Kunst in einer eigenen Ausstellung veröffentlichen dürfen. Sie gewann, doch da sie nicht in Ungarn studierte, schien sie ungeeignet für solch eine Auszeichnung. Für sie ein unfassbarer Moment. „Es wird nur auf die Auszeichnungen geschaut, nicht auf den Menschen, nicht auf die Arbeit. So etwas ist eindeutig unfair.“ Auch diese Wut und das Erschrecken wandelte die Frau in Bilder um. Dunkle Werke auf Glas und Leinwand, voller wütender Emotionen, schneller Striche und Farbvermischungen entstanden.
Eine weitere Quelle der Inspiration sind alltägliche Dinge. Filme, interessante und langweilige. Musik fasziniert sie, vielseitige und vor allem energiegeladen soll sie sein, so Dodo. Aber auch Verbindungen, die wohl nur jemand nachvollziehen kann, der die künstlerischen Ambitionen zu verstehen weiß. Personenbegegnungen können sie inspirieren, Farben die diese tragen, oder auch Materialien, die einem wortwörtlich vor die Füße fallen.

Und hier will Dodo ansetzen, sich weiterentwickeln. Ein Punkt, den nicht jeder Künstler erreicht. Geben sich viele mit ihrer Leistung zufrieden, leben in ihrer einfachen sicheren Welt, lebt diese Frau von Entfaltung, Arbeit und Risiko. Experimente mit Plexiglas betreibt sie bereits heute, doch sei es für sie auch nicht ausgeschlossen mal mit Plastik zu arbeiten, oder mit Metall. „Wenn mir eine Idee kommt, dann tu ich es.“, lacht sie fröhlich. Doch erkennt man, ihre Begeisterung steckt in einer anderen Art der Entfaltung. Projekte wie die Gestaltung eines Krankenhauses in Italien, Arbeiten im Libanon und Amerika, oder auch Modeprojekte mit Designern nennt sie bereits heute ihre. Und auch weiterhin will sie hier viel mehr agieren. Ihr Ziel: Projekte auf der ganzen Welt leiten.
Ein hohes Ziel, das sie nicht ohne ein Schmunzeln über die Lippen bringt. Doch so ironisch dies auch scheint. Es ist ihr ernst, mit all ihren Worten.
Dodo Newman lebt für ihre Kunst und geht euphorisch in dieser auf.
„Ich identifiziere mich mit ihr, es sind meine Gefühle, mein Innerstes. Das bin ich.“

Und mit diesen Worten wirft sie einen zufriedenen Blick in ihrem Studio umher. Man merkt, mehr zu fragen gibt es nicht, mehr zu sagen gibt es nicht. Es ist alles, was man über diese junge Frau zu wissen braucht, um einen kleinen Teil ihrer Kunst zu verstehen, das wichtigste. Die Energien, die als Leitfaden durch ihre Werke ziehen. Und dennoch ihre Kunst wird nie ganz zu verstehen sein, Kunst bleibt undefinierbar, eine andere Welt. Eine Welt in der Dodo glücklich zu Hause ist, nicht nur auf den Weltbegegnungen, nicht nur in dieser Fabrikhalle in Berlin, sondern in der Welt des Pastells und der Pinsel.

3 Kommentare »

  • Michael Kranixfeld meint:

    Ich bin bei solchen KünstlerInnenn immer zwiegespalten. Einerseits finde ich wirklich schön, was sie tut, das hat wirklich ästhetische Qualität. Man kann es sich praktisch in jedem Raum als aufwertend vorstellen. Aber darin erschöpft es sich auch.
    Es sind keine Bilder, die im Kopf hängen bleiben, von denen ich anderen erzählen würde, hätte ich sie in einer Ausstellung gesehen. Es gibt einfach keine tieferen Schichten, keine Botschaft. Es ist wie ein Apple-Produkt, das unglaublich toll aussieht, aber das nur tut, um mein Kaufbegehren zu wecken.
    Das finde ich schade.

  • Fabian Wolff meint:

    Es sei natürlich, das Nicht-Vorhandensein einer Botschaft ist die Botschaft. Po-Mo und so.

  • Phine meint:

    Hängenbleiben…Also nach diesem Artikel bleibt in meinem Kopf eine ziemlich gute Vorstellung von Newmans Kunst hängen, die aber nicht in Worte zu fassen wäre. Wie die Sätze und Wortstellungen hier selbst wie schwungvolle, bunte Pinselstriche nachwirken ist grandios.