Let’s watch our dreams die
“Zeiten des Aufruhrs” und die Vorteile der Konformität

Der Film „Zeiten des Aufruhrs“ von Sam Mendes basiert auf dem gleichnamigen Roman von Richard Yates.Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio) und seine Frau April (Kate Winslet) lernen sich im Connecticut der 50er Jahre kennen. Zu Beginn ihrer Ehe sind sie voller Ambitionen, haben große Pläne für ihre gemeinsame Zukunft, halten sich für etwas Besonderes. Doch als sie mit ihren zwei kleinen Kindern in ein hübsches Einfamilienhaus am Stadtrand ziehen, Frank einen verhassten Bürojob bei einer großen Computerfirma annimmt und April ihrer eintönigen Hausfrauen- und Mutterrolle nachkommt, verlieren sich die Hoffnungen und die großen Visionen im Alltagseinerlei. Nur schwer können sie sich eingestehen, dass sie längst im Kleinbürgertum angekommen sind, von dem sie sich stets distanzieren wollten. Paris ist das auserkorene Ziel, das der maroden Ehe wieder Aufschwung und dem langweiligen Leben wieder eine Perspektive geben soll. Der Plan der beiden stößt bei Freunden und Kollegen auf Verwunderung oder Unverständnis. Als Frank befördert wird und April erneut ein Kind erwartet, wird die Sicherheit ihres geregelten Umfelds wieder zur verlockenden Falle.
Das ruhig und vorsichtig inszenierte Drama dreht sich um die komplexe Beziehung zwischen Frank und April und ihren Versuch, sich und ihre Liebe aus der Enge des Kleinstadtlebens zu retten.
Der Film lebt von der Spannung, die Sam Mendes behutsam auf- und abbaut und die von Winslet und DiCaprio mit großer Präsenz dargestellt wird. Einerseits die Rolle der braven Mutter und Hausfrau, die der lebenshungrigen April wie ein schlecht sitzendes Kostüm aufgezwungen wird, andererseits das Dilemma in dem sich Frank befindet, in dem Zugzwang stehend, Tag für Tag eine Arbeit ausführen zu müssen, die er nicht ausstehen kann – ohne zu wissen was das Leben vielleicht für ihn bereithält, mit dem ständigen Gedanken zweitklassig zu sein.
Diese Begebenheiten werden meist durch Bilder dargestellt, die Gesellschaftskritik und die Darstellung des austauschbaren Einzelschicksals perfekt vereinen. Frank, der in einer Welle aus aktentaschenbewehrten, Anzugträgern aus der Bahn gespült wird, mitgerissen vom Strom der arbeitenden Familienväter, die sich äußerlich gleichen wie ein Ei dem Anderen und April, die im Haus putzt und aufräumt, den Abfall vor die Einfahrt stellt, mechanisch ihren Pflichten nachkommt, wie es sich gehört: Smalltalk mit der Nachbarin, die eine Pflanze vorbeibringt.
Es wird immer deutlicher, dass die beiden zwar von der damals herrschenden konservativen Einstellung eingeengt werden, dass diese Fesseln jedoch nur von ihren eigenen Ängsten und menschlichen Unsicherheiten am Leben erhalten werden.
Und das ist der Aspekt, der dem Film zur Aktualität in der heutigen Zeit verhilft. Schwächen zu überwinden, begangene Fehler zu kompensieren, versuchen, sich selbst neu zu erfinden, das sind Themen, die damals wie heute aktuell sind.
„Zeiten des Aufruhrs“ beschäftigt sich mit diesen Fragen und beleuchtet ohne Kitsch und übertriebene Sentimentalität menschliche Schwächen und wie leicht man darin scheitern kann, den eigenen Idealen treu zu bleiben.
(“Zeiten des Aufruhrs” ist soeben auf DVD erschienen und läuft, für alle Berliner Leser, am 13.8.2009 im Freiluftkino Friedrichshain.)









Ich hätte mir ne schöne Hinleitung zum Artikel gewünscht. Aber der Artikel selbst ist ziemlich gut geworden – schön herausgearbeitet, was den Film besonders und auch sehenswert macht.
Schöne Passage über das aus der Bahn spülen :)
Diesem Lob kann ich nur zustimmen.
Sehr schöner Artikel, hat Spaß gemacht ihn zu lesen. Bin durch Zufall draufgestoßen. Habe den Film vor einpaar Monaten im Kino gesehen und der Artikel beschreibt ihn sehr gut.
Ein wirklich schöner Artikel, der den Film gelungen beschreibt. Vielleicht ist hier noch erwähnenswert, dass der Film auf Englisch “Revolution Road” heißt. Soweit ich mich erinnern kann, ziehen die beiden dann auch tatsächlich in die Revolution Road… eine holprige Straße.
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