Home » Heimatkunde

Audimax: Ungenutzte Freiräume

von Michael Metzger 18 November 2009 4 Kommentare

IMG_1335 (WinCE)Alles dreht sich ums Audimax. Der “große Hörsaal” der HU ist besetzt, und wird als Symbol in Geiselhaft genommen: Repräsentativ für die Uni, richtet sich die Besetzung zunächst gegen die Anbieter von Bildung: Die Hochschule, die Bildungspolitik, natürlich auch die Wirtschaft. “Seht her”, sagen die Studenten, “wir haben das Audimax in unserer Hand, und wir füllen es mit den Inhalten, die wir uns wünschen.”

Solange das Audimax in Studentenhand ist, soll hier bessere Bildung stattfinden als sonst. Frei soll sie sein, unabhängig und kritisch. Viele Diskussionen und Workshops sollen sich mit Hochschulpolitik befassen, natürlich, denn aus diesen Ergebnissen speisen sich die Forderungen der Studenten. Aber auch andere kritische Angebote sollen auf dem Programm stehen, Querdenker, Philosophen, ein schönes Studium Generale eben.

Soweit die Vision, soweit die Theorie. Dass es auch um Symbolik geht, ist klar. Das besetzte Audimax wird gern von den Medien aufgegriffen, wird oft gefilmt und fotografiert. Es ist eine Ikone, mit den Bannern und Transparenten am Eingangsbereich. Doch wo bleibt die Vision? Statt Freidenkertum und Studium Generale dominieren Diskussionen über die Besetzung des Audimax an sich. Wie lange sollen oder können die Studenten den Raum noch halten? Wie wichtig ist der Raum als Druckmittel? Und wie schaffen es die wenigen Besetzer, noch mehr Studenten für Nachtschichten zu gewinnen? Diese Themen werden im Plenum vorranging und ausgiebig erörtert.

Doch die Diskussion läuft in die falsche Richtung. Das Audimax kann ein Freiraum für studentische Treffen sein, für Workshops und Vollversammlungen. Als größter Raum der HU ist das Audimax sogar der einzige Ort der Uni, der solche Massen an Leuten dauerhaft aufnehmen kann. Diese Menschenmassen aber bleiben aus. Sie werden abgeschreckt durch Meta-Diskussionen über das Für und Wider einer Besetzung. Politische Aktionen verkommen zum Selbstzweck.

Die Streikenden glauben, ihre Besetzung wird dadurch legitimiert, dass sie sie jeden Tag aufs Neue diskutieren, in jedem Plenum erneut darüber abstimmen. Sie irren sich. Die Besetzung des Audimax würde dadurch legitimiert, dass der Raum genutzt wird: Von hunderten Studenten, die dort tagein, tagaus an der Bildung von morgen feilen.

Es liegt jetzt an den Studenten, endlich zu beweisen, dass sie eine Vielzahl an Mitstreitern für ihre AGs, Workshops und offenen Vorlesungsangebote gewinnen kann. Erst wenn diese Massen ins Audimax strömen, um für ihre Sache zu streiten, rechtfertigt das den großen Raum. Wenn die Studenten das schaffen, dann steht ihnen das Audimax zu – keine Frage. Wenn sich die Themen im Audimax-Plenum aber weiterhin über die Besetzung als solches drehen, braucht es keine Audimax-Besetzung.

4 Kommentare »

  • Lennaron meint:

    Das erklärt dann warum eine Videokonferenz nach Adlershof nicht möglich ist, brauchen wohl morgen bei der VV jeden Studenten den sie kriegen können. Doch aus Adlershof wird die Beteiligung wohl eher sehr gering ausfallen, der Streik ist kaum Präsent und die meisten, die aktiv dabei sind, die haben sich in Mitte nieder gelassen.

  • Nora meint:

    Die Videoschaltung nach Adlershof kann aus rein technischen Gründen nicht stattfinden, da die VV erst am Montag beschlossen wurde. Der cms braucht 2 Wochen Vorlauf, um das so einzurichten, dass es funktioniert. Auch bei der letzten VV war das schon ein Problem. Die Verbindung kam so kurzfiristig leider nicht zu Stande.
    Dafür entschuldige ich mich im Namen aller, die die VV geplant haben!

    Es geht uns keinesfalls darum, nur den Hörsaal zu füllen. Unser Hauptziel ist, in meinen Augen, die AGs zu füllen. Diese waren nämlich extrem unterbesetzt und genau deshalb war es eben nicht möglich, gute Diskussionen über Hochschulpolitik zu führen und interessante Workshops anzubieten. Die VV soll all jene informieren und aufklären, die noch nichts, oder zu wenig, über die Besetzung der HU und den Bildungsstreik deutschland- und europaweit wissen.
    Denn nur wenn wir die Studierenden ausreichend informieren, können sie sich aktiv an AGs beteiligen. Und nur wenn die AGs wachsen, können wir langfristig gezielt etwas ändern.
    Dass dieser Informationsfluss nicht so gut gelaufen ist, liegt wieder an der Unterbesetzung der AGs. Das war einfach nicht zu bewältigen. Nebenbei haben sehr viele uns noch studiert oder gearbeitet.
    In den letzten Plena war die Diksussion meiner Ansicht nach auch schon besser. Wir hatten zu Beginn politischen Input organisiert (Uli Thöne von der GEW und Dietmar Moews von der Piratenpartei), um die Diskussion über Hochschulpolitik anzuregen. Doch je näher der Tag der Demo rückte, desto unsicher wurde es wieder, ob es uns überhaupt noch möglich sein würde, das Audimax zu halten. Viele sehr Aktive sind total ausgelaugt, einige krank im Bett.

    Jede und jeden, die/der sich hier beschwert, dass das Audimax nicht “richtig” genutzt wurde, möchte ich deshalb hiermit besonders herzlich einladen, zu uns zu stoßen, sich ein eigenes Bild der Lage zu machen, Ideen einzubringen, Workshops und Diskussionen zu planen und AGs zu unterstützen!

  • Uschi meint:

    Großartig. Die aktuelle Bildungspolitik in so genannten “Vollversammlungen” kritisieren, die die Versammlung von einer immer weiter schrumpfenden Anzahl an Kommilitonen sind – das nenne ich eine richrtige Revolution. Die TAZ titelte: bitte nicht schon wieder 68. Nein, liebe TAZ, das werdet ihr nicht zu sehen bekommen. Das hier ist kein Bildungsstreik mehr, es ist das verlogene, vorgeschobene Getue einiger Weniger, die die mediale Aufmerksamkeit zur Verbreitung kommunistischer Parolen benutzen. Ein ehrlicher Bildungsstreik ist unterstützenswert, läuft doch vieles offensichtlich falsch bei uns.
    Der Streik der Streikenden, die in bester linksalternativer Manier, wie die Punks am Bahnhof, das Audimax in einer Weise besetzen, sodass allein der Geruch nach verschüttetem Bier und ungewaschenen “Vollversammlern” jeden normal denkenden Studenten fernhält, kann nicht als Ausdruck allgemeinen Unbehagens über aktuelle bildungspolitische Entwicklungen angesehen werden.

    Warum tun sich die Streikenden so schwer “Nachwuchs” zu finden? Nun, es liegt sicherlich nicht daran, dass die Studenten der juristischen Fakultäten generell Snobs wären, die Mediziner zu beschäftigt und die Wirtschaftswissenschaftler naturgemäß gegen alles, was nach Protest und Unkonformität riecht.
    Es ist vielmehr so, dass diejenigen, die auch schon bei normalen Demonstrationen immer wieder durch pseudo-multi-kulti-weltverbesser Argumente und anschließende Straßenschlachten mit der Polizei eindrucksvoll ihre “moralische Überlegenheit” beweisen, ihre Arroganz in das Audimax mitgebracht haben.

    Bei so viel Ego ist für mich kein Platz mehr. Schade.