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„Müssen wir jetzt eigentlich aufräumen?“

von Bernd Fiedler 12 Februar 2010 0 Kommentare

Ein Bericht aus der Freien Universität Berlin

Die Duldung ist seit mehreren Stunden abgelaufen, besorgt finden sich die Besetzer zu einem spontanen Plenum zusammen. Wann die Polizei kommt, weiß hier keiner. Dass sie kommt, daran besteht kein Zweifel.
Vorbereitungen werden getroffen. „Draußen steht ein Feuertopf, die Telefonnummern haben wir verbrannt“. Was aber tun mit den Wertsachen? „Wir haben schon alles bereitgelegt, wenn es losgeht klemmt sich jeder etwas untern Arm“. Man schaut sich um. „Hier liegt aber auch ne Menge Müll rum. Räumen die eigentlich auf, nachdem sie uns rausgeschmissen haben?“ – „Also wenn ich meine Pfandflaschen nachher nicht wiederbekomme, gibt’s Ärger“. Es klingt nach Galgenhumor.

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Besetzer der Ruhr Uni kurz vor der Räumung

“Im laufenden Unibetrieb werden die uns nicht räumen“, meint eine Besetzeri., „Wahrscheinlich am Samstag, wenn die Meisten in Dresden sind oder schon zu Hause.“ Wieder schaut man sich um. Füße, Decke, Boden. Nur wenige wirken noch kämpferisch. „Heute Abend kommen bestimmt viele Leute. Das ist ja vielleicht unser letzter gemeinsamer Jam hier, das kann spät werden. Hoffentlich wird nicht morgen Früh schon geräumt“. Was macht die Besetzer eigentlich so sicher, dass es nach drei Monaten so weit ist?
„Am Mittwoch, dem 10. Februar um 20 Uhr besuchten uns der Kanzler der Freien Universität Berlin, Herr Lange, die dritte Vizepräsidentin Frau Schäfer-Körting, Herr Huhn vom Rechtsamt sowie eine Sicherheitskraft. Dies war das erste Mal seit dem 14. Januar, dass die Besetzenden jemanden aus dem Präsidium zu Gesicht bekamen“. Und wohl auch das erste Mal, dass sie sich mit einer direkten Räumungsdrohung konfrontiert sehen. Die Duldung sei abgelaufen, so werden die Präsidiumsmitglieder zitiert, und die Besetzung sei bis Donnerstag aufzulösen. „Außerdem findet hier nächste Woche eine große Informatikkonferenz statt, da stören wir“, meint eine weitere Besetzerin. Es wird sich gegenseitig Mut zugesprochen, doch es werden wohl zu wenige da sein, wenn es soweit ist. Erfahrungsgemäß finden solche Räumungen in aller Früh statt, und am Samstag wird wohl nur eine einstellige Anzahl an Studenten im Hörsaal sein. „Wenn sie heute oder Freitag räumen würden, täten sie uns ja glatt einen Gefallen. Die Wirkung wäre umwerfend“.
Trotzdem können die Besetzer einige Erfolge für sich verbuchen. Die Besetzung hat sich über drei Monate gehalten, heute ist Jubiläum. Greifbare Erfolge konnten verbucht werden, vieles kam zu Wort, das zuvor einfach übersehen wurde. Trotzdem ist die Resonanz in der Universität gespalten. Von den einen werden sie belächelt, die andere drücken offen ihre Anerkennung aus. „Das sind die ersten Besetzer die ich erlebt habe, die tatsächlich im Hörsaal Staubsaugen“, meinte Professor Brittnacher, Germanistik. „Lasst euch nicht reinreden“, meinte Professor Funke, Politikwissenschaft. Spurlos ist der drei Monate dauernde Bildungsprotest nicht an der FU vorübergegangen. Auch wenn die Besetzung jetzt ein lautloses Ende finden mag. „Also dann“, beendet jemand die Diskussion, „machen wir das Beste draus.“

Foto: Joshua Kleinsorge / jugendfotos.de